Wolf Hermann Federschmidt: Ein Leben voller Vertrauen, Mut und gelebter Nächstenliebe
Erinnerungen von Dr. Fabian Kliesch / greco (kennt Wolf seit 1992; Stammesleitung 1997–2000, heute Pfarrer in Heidelberg, verheiratet, zwei Kinder)
Ich habe Wolf Hermann Federschmidt 1992 im Martin-Bucer-Haus in Bonn-Medinghoven kennengelernt. Nach dem Konfirmandenunterricht sprach er mich auf den Treppenstufen an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, bei den Pfadfindern mitzumachen. Es gehe darum, mit Kindern die Natur zu entdecken, zu spielen, zu singen, Bibelgeschichten zu erzählen – und Jesus als Freund kennenzulernen. Dieser Moment hat mein Leben verändert.
Der von ihm 1988 gegründete Pfadfinderstamm Martin Bucer hatte seinen Sitz in Medinghoven am Martin-Bucer-Haus und war später auch auf dem Brüser Berg und in Witterschlick aktiv. Für Wolf war das kein Hobby, sondern gelebter Glaube: Gemeinschaft, Verantwortung und Völkerverständigung.
Wolf hatte die besondere Gabe, Menschen zu begeistern. Mit einem warmen, wohlwollenden Lächeln traute er einem mehr zu, als man sich selbst zutraute. So überließ er mir schon nach kurzer Zeit eine eigene Kindergruppe – einfach, weil er überzeugt war: „Das schaffst du.“ Dieses Vertrauen in die Fähigkeit anderer Menschen hat mich bis heute geprägt.
Sein Glaube war lebendig und konkret. Er sprach von Jesus als Freund – als jemandem, mit dem man reden kann. Und er lebte, was er glaubte: Sein Zuhause mit seiner lieben Frau Ruth stand offen für Studierende, Gäste aus anderen Ländern oder Menschen in schwierigen Lebenslagen. Es gab immer einen Platz am Tisch, immer Zeit, immer ein offenes Ohr.
Wolf war ein Abenteurer – und blieb es bis ins hohe Alter. Unvergessen sind die „Ofenkaulen“ im Siebengebirge, dunkle Stollen, in die wir mit ihm hineinkletterten. Wenn ich heute daran denke, wird mir mulmig – damals war es ein großes Abenteuer. Selbst im hohen Alter war Wolf dabei. Zu meinem 20. Geburtstag überraschte er mich dort sogar gemeinsam mit meinen Eltern. Ein Wahnsinn – und so typisch für ihn.
Auch wenn nicht alles nach Plan lief, fand sich immer ein Weg. Ich erinnere mich an eine Autofahrt mit seinem alten VW Polo: Der Tank war fast leer, wir wussten nicht, ob wir ankommen. Also beteten wir laut – und erreichten auf den letzten Metern eine BP-Tankstelle. BP, die Abkürzung für den Pfadfindergründer Baden Powell, für uns war das mehr als Zufall.
Ein drittes Bild: der Klang seiner Gitarre am Lagerfeuer. Wolf schrieb eigene Lieder, sang mit uns von Abenteuer, Sehnsucht und Glauben – und ermutigte uns, selbst Andachten zu halten. Glaube wurde bei ihm lebendig, spürbar und tragend.
Geprägt vom Krieg, setzte er sich leidenschaftlich für Völkerverständigung ein. Die Begegnungen mit Pfadfindern aus Weißrussland waren ihm ein Herzensanliegen. In gemeinsamen Reisen, im Leben in Gastfamilien und im Singen fremder Lieder wurde erfahrbar: Frieden beginnt im persönlichen Miteinander.
Ich habe Wolf zuletzt zu seinem 100. Geburtstag erlebt. Kurz vor seinem Tod durfte ich noch mit ihm telefonieren – er erkannte mich an der Stimme. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit.
Ein Vers aus seinem Lied fasst zusammen, was Wolf uns allen als Hinterbliebenen wünschen würde: „Wir sind Martin Bucers Leute und wollen Kameraden sein, als Pfadfinder gestern und heute stehen wir füreinander ein!“
Die Trauerfeier für Wolf Federschmidt findet am Dienstag, 7. April um 11 Uhr in der Matthäikirche statt.
